Den richtigen Feuerlöscher wählen, kaufen und benutzen
Brandklasse, Löschmitteleinheiten, Bauart und Bedienung: worauf es beim Feuerlöscher ankommt, damit er im Ernstfall wirklich hilft.
Inhalt dieses Ratgebers
Die schiere Existenz von Feuerlöschern in einem Gebäude ist nur die halbe Miete. Entscheidend ist, ob sie im Ernstfall auch die passende Leistung für die jeweilige Brandlast mitbringen.
Hier kommen die Löschmitteleinheiten (LE) ins Spiel, die zusammen mit der Brandklasse die Auswahl des richtigen Löschers erst ermöglichen. Es geht darum, gezielt den Löscher zu finden, der das potenzielle Brandrisiko am Einsatzort effektiv bekämpfen kann, und ihn im Ernstfall auch richtig zu bedienen.
Worauf sollte man beim Kauf und bei der Nutzung von Feuerlöschern achten? Im SAT.1-Frühstücksfernsehen gibt Brandschutz-Sachverständiger Steven Eschner von Brandschutz Service Berlin Rat.
Beitrag auf Joyn ansehen Der Beitrag „SAT.1-Frühstücksfernsehen am Samstag: Das Feuerlöscher ABC“ wird auf joyn.de abgespielt (öffnet in neuem Tab). Mehr zum TV-Auftritt.Verstehen, was auf dem Löscher steht
Jeder nach DIN EN 3 geprüfte Feuerlöscher trägt eine Kennzeichnung, die über seine Leistungsfähigkeit Auskunft gibt. Dieses „Rating“ besteht aus einer Zahl und einem Buchstaben, zum Beispiel 21A, 113B oder 75F.
Der Buchstabe bezeichnet die Brandklasse, für die der Löscher geeignet ist:
- A-Brände: feste, glutbildende Stoffe (Holz, Papier, Textilien)
- B-Brände: flüssige oder flüssig werdende Stoffe (Benzin, Öle, Lacke)
- C-Brände: Gase (Propan, Erdgas)
- D-Brände: Metalle (Magnesium, Lithium), dafür sind Speziallöscher nötig
- F-Brände: Speisefette und -öle (Fritteusenbrände)
Stehen mehrere Buchstaben auf dem Löscher (z. B. AB oder ABC), ist er für mehrere Brandklassen einsetzbar. Die Zahl gibt die Löschleistung innerhalb der jeweiligen Brandklasse an: Bei A-Bränden steht sie für die Länge eines genormten Holzstapels in Dezimetern, bei B-Bränden für die Menge brennbarer Flüssigkeit in Litern. Eine höhere Zahl bedeutet mehr Löschvermögen.
Aus den Prüfwerten leitet sich die Anzahl der Löschmitteleinheiten ab, die für die Bedarfsberechnung nach ASR A2.2 zählt. Ein 6-kg-Pulverlöscher für ABC-Brände kann beispielsweise 9 LE aufweisen, ein 6-Liter-Schaumlöscher für AB-Brände oft 6 LE. Mehr dazu im Ratgeber Löschmitteleinheiten als Maß der Feuerlöscher-Leistung.
Welches Löschmittel wofür?
Jedes Löschmittel hat Stärken und Schwächen. Die Wahl hängt davon ab, was brennen kann und wie empfindlich die Umgebung ist.
Wasserlöscher
Gut für feste Stoffe. Minimale Folgeschäden.
Schaumlöscher
Bilden eine erstickende Schaumdecke und löschen effektiv mit geringen Folgeschäden. Ideal für Büros und Wohnräume.
Pulverlöscher
Hohe Löschleistung, aber erhebliche Folgeschäden durch feines Pulver. Geeignet für Außenbereiche, Garagen oder Heizungsräume.
CO2-Löscher
Löschen rückstandsfrei, kühlen aber kaum. In geschlossenen Räumen besteht Erstickungsgefahr. Ideal für Technikräume und Labore.
Fettbrandlöscher
Speziell für Speisefette und -öle. Bilden eine Sperrschicht, die ein Wiederentzünden verhindert. Unverzichtbar in Großküchen.
Metallbrandlöscher
Spezialpulver für brennende Metalle wie Magnesium oder Aluminiumspäne. Wasser und Schaum sind hier gefährlich. Nötig in Werkstätten, die solche Metalle bearbeiten.
Den passenden Feuerlöscher auswählen
Die Auswahl ist nicht nur eine Frage der gesetzlichen Vorgaben, sondern eine der Risikobewertung am jeweiligen Standort.
Gefahren analysieren
Vorwiegend feste Stoffe, Flüssigkeiten oder eine Küche mit Fritteuse? Das bestimmt die Brandklasse.
Löschmittel wählen
Passend zur Brandklasse und zu den möglichen Folgeschäden am Standort.
LE und Anzahl festlegen
Die Summe der LE muss der ASR A2.2 entsprechen, der Weg zum nächsten Löscher höchstens 20 Meter betragen.
Platzieren und kennzeichnen
Leicht zugänglich, gut sichtbar und mit Brandschutzzeichen gekennzeichnet.
Welche Ausstattung in Betrieben vorgeschrieben ist, erklärt unser Beitrag zur Feuerlöscher-Pflicht im Betrieb.
Worauf Sie beim Kauf eines Feuerlöschers achten sollten
Im Handel gibt es Feuerlöscher in sehr unterschiedlicher Qualität. Diese Punkte helfen, ein Gerät zu finden, das im Ernstfall wirklich hilft:
- Norm und Kennzeichnung: Tragbare Feuerlöscher sollten nach DIN EN 3 geprüft sein. Auf dem Etikett stehen dann Brandklassen, Löschleistung und die Bedienungsanleitung in Bildern.
- Brandklasse passend zum Risiko: Für Wohnung und Büro deckt ein Schaumlöscher (A/B) die meisten Risiken ab. In die Küche gehört ein Fettbrandlöscher (F), in Technikräume oft ein CO2-Löscher.
- Löschleistung statt Füllmenge: Entscheidend ist das Rating auf dem Etikett, nicht das Gewicht. Zwei Löscher mit 6 kg Füllung können sehr unterschiedlich viele Löschmitteleinheiten haben.
- Handhabung: Ein Löscher nützt nur, wenn ihn die Personen vor Ort tragen und bedienen können. Für Haushalte reicht meist ein Gerät mit 6 kg oder 6 Litern.
- Bauart und Wartung: Dauerdrucklöscher zeigen den Druck am Manometer, Aufladelöscher haben eine separate Treibmittelflasche. Fragen Sie beim Kauf nach, ob das Gerät gewartet und nachgefüllt werden kann.
- Halterung und Standort: Zum Löscher gehört eine Wandhalterung. Er gehört gut sichtbar an den Weg nach draußen, in Betrieben mit einer Griffhöhe zwischen 0,80 und 1,20 Metern.
Löschsprays eignen sich für sehr kleine Entstehungsbrände, ersetzen aber keinen normgerechten Feuerlöscher. Als Ergänzung in der Küche oder im Auto sind sie sinnvoll.
Feuerlöscher richtig benutzen: so gehen Sie vor
Ein Feuerlöscher ist für Entstehungsbrände gedacht. Ihre eigene Sicherheit geht immer vor.
Alarmieren Sie die Feuerwehr über die 112 und warnen Sie andere Personen. Löschen Sie nur, wenn der Fluchtweg hinter Ihnen frei bleibt.
- Erst am Brandherd auslösen: Sicherung ziehen, bei Aufladelöschern den Schlagknopf drücken, und erst kurz vor dem Feuer Löschmittel abgeben.
- Mit dem Wind löschen: Im Freien das Feuer in Windrichtung angreifen, damit Rauch und Löschmittel nicht zurückwehen.
- Von vorn nach hinten: Flächenbrände von vorn beginnend ablöschen, nicht in die Mitte zielen.
- Von oben nach unten: Tropf- und Fließbrände von oben nach unten löschen.
- Mehrere Löscher gleichzeitig: Sind mehrere Geräte da, diese zugleich einsetzen, nicht nacheinander.
- Auf Rückzündung achten: Die Brandstelle nach dem Löschen beobachten, bis die Feuerwehr übernimmt.
- Nie Wasser auf Fett: Brennendes Fett oder Öl nie mit Wasser löschen. Dafür gibt es den Fettbrandlöscher, im Haushalt hilft auch ein passender Deckel.
Sicher wird die Bedienung erst durch Üben. Wer einmal selbst einen Löscher ausgelöst hat, zögert im Ernstfall nicht.
Wir bieten dafür Löschübungen mit echtem Feuer für Betriebe und Teams an.
Nach dem Einsatz und Wartung
Auch ein nur kurz benutzter Löscher muss neu gefüllt und geprüft werden, bevor er wieder an die Wand kommt. Unabhängig davon brauchen Feuerlöscher regelmäßige Prüfungen: in Betrieben spätestens alle zwei Jahre durch eine sachkundige Person.
Die bewusste Entscheidung für den passenden Feuerlöscher, basierend auf Brandklasse und Löschmitteleinheit, ist ein wesentlicher Baustein eines jeden Brandschutzkonzepts. Es geht darum, für den Ernstfall optimal vorbereitet zu sein.
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Häufige Fragen zur Wahl des richtigen Feuerlöschers
Welcher Feuerlöscher eignet sich für zu Hause?
Für Wohnräume deckt ein Schaumlöscher für die Brandklassen A und B die meisten Risiken ab und hinterlässt deutlich weniger Schäden als Pulver. Für die Küche ist zusätzlich ein Fettbrandlöscher (F) sinnvoll.
Was bedeutet die Angabe 21A 113B auf dem Feuerlöscher?
Die Buchstaben nennen die Brandklassen, die Zahlen die Löschleistung in der jeweiligen Klasse. 21A heißt: Der Löscher hat einen genormten Holzstapel von 21 Dezimetern Länge gelöscht. 113B steht für 113 Liter brennbare Flüssigkeit.
Pulver oder Schaum: was ist besser?
Pulver hat eine hohe Löschleistung, verursacht aber erhebliche Folgeschäden. Schaum löscht A- und B-Brände mit deutlich weniger Schmutz. In Innenräumen ist Schaum meist die bessere Wahl, Pulver eher für Garagen, Heizungsräume und den Außenbereich.
Wie oft muss ein Feuerlöscher geprüft werden?
In Betrieben spätestens alle zwei Jahre durch eine sachkundige Person. Für Privathaushalte gibt es keine Prüfpflicht, der gleiche Rhythmus ist aber sinnvoll. Nach jedem Einsatz muss der Löscher neu gefüllt werden.
Kann ein Löschspray einen Feuerlöscher ersetzen?
Nein. Löschsprays sind eine Ergänzung für sehr kleine Entstehungsbrände, ersetzen aber keinen normgerechten Feuerlöscher.
