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Kabelabschottung: Systeme, DIN & Ausführung

Brandschutz-Ratgeber · Materialien & Bauteile

Kabelabschottung: Systeme, DIN & fachgerechte Ausführung

Wie eine Kabelabschottung Brandwände und Geschossdecken wieder brandsicher verschließt – Systeme, Feuerwiderstandsklassen nach DIN 4102, Nachweise und typische Ausführungsfehler.

Weichschott Kabel Brandschutzkissen S30–S120 · bis EI 120 abP & ETA · Nachweis
Kabel als Schwachstellein Wand & Decke
Weichschott · Kissen · Bandagegängige Systeme
S90 / EI 90 üblichDIN 4102-9 · EN 13501-2
Kennzeichnung + NachweisabP / ETA · Pflicht

Sobald elektrische Leitungen, Datenkabel oder ganze Kabeltrassen eine Brandwand oder Geschossdecke durchdringen, entsteht eine Schwachstelle, durch die sich Feuer und Rauch von einem Brandabschnitt in den nächsten ausbreiten können. Eine Kabelabschottung – häufig auch Kabelschott genannt – verschließt diese Durchführung wieder brandsicher und stellt den Feuerwiderstand des Bauteils an der Durchbruchstelle wieder her.

Dieser Ratgeber erklärt die gängigen Kabelabschottung-Systeme, den Feuerwiderstand nach DIN 4102-9, die notwendigen Nachweise sowie typische Fehler bei der Ausführung – verständlich für Planer, Bauherren, Hausverwaltungen und Betreiber in Berlin und Brandenburg.

01 · Grundlagen

Was ist eine Kabelabschottung und warum ist sie nötig?

Eine Kabelabschottung verschließt Öffnungen in feuerwiderstandsfähigen Wänden oder Decken, durch die Kabel geführt werden, und erhält so die brandschutztechnische Funktion des Bauteils. Wenn eine Wand oder Decke eine bestimmte Feuerwiderstandsdauer erfüllen soll, darf diese Schutzwirkung nicht durch eine offene Leitungsdurchführung aufgehoben werden. Bereits eine kleine, offene Öffnung genügt, damit Rauch und Feuer in angrenzende Bereiche gelangen.

Kabel sind dabei eine besondere Schwachstelle: Die Kunststoffisolierung ist brennbar, Kabeltrassen bündeln viele Leitungen auf engem Raum, und die Belegung ändert sich über die Nutzungsdauer eines Gebäudes ständig. Die Kabelabschottung im Brandschutz sichert deshalb genau die Grenzen zwischen den Brandabschnitten eines Gebäudes – dort, wo Elektro- und Netzwerktechnik hindurchgeführt wird.

Typische Einsatzorte sind Technikräume, Serverräume, Keller, Steigeschächte, Hausanschlussräume sowie Durchführungen durch Brandwände und Geschossdecken. Gerade in Berliner Bestandsgebäuden entstehen die Schwachstellen selten beim ursprünglichen Bau, sondern über die Jahre: Ein Mieter zieht aus, die Fläche wird umgebaut, die IT-Infrastruktur erweitert, zusätzliche Leitungen werden verlegt – und am Ende bleibt die Durchführung offen oder nur provisorisch verschlossen. Für Eigentümer, Hausverwaltungen und Betreiber wird das spätestens bei einer Begehung oder Mängelprüfung relevant.

Wichtig

Ein Kabelschott ist kein einfacher Lochverschluss. Das System muss zur konkreten Situation passen: Bauteil, Öffnungsgröße, Art und Menge der Kabel, Belegung der Trasse und die geforderte Feuerwiderstandsklasse bestimmen, welche Bauart zulässig ist.

02 · Systeme

Gängige Kabelabschottung-Systeme im Überblick

Für die Abschottung von Kabeln haben sich mehrere Bauarten etabliert. Welche zum Einsatz kommt, hängt von der Öffnungsgröße, der Belegung und davon ab, ob die Öffnung später revisionierbar bleiben soll:

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Weichschott

Beschichtete Mineralwolle

Die Öffnung wird mit beschichteten Mineralwolleplatten (hohe Rohdichte, Schmelzpunkt > 1000 °C) ausgefüllt, Flächen und Kabel erhalten eine Brandschutzbeschichtung. Das Standardsystem für Kabel und Mischbelegungen – flexibel und nachbelegbar.

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Brandschutzkissen

Revisionierbare Öffnungen

Brandschutzkissen und Brandschutzsteine werden lose eingebaut und lassen sich zerstörungsfrei entnehmen. Ideal für Schächte und Öffnungen, die für häufige Nachbelegungen offen bleiben müssen.

🎗️
Kabelbandage

Beschichtung einzelner Kabel

Bei einzelnen Leitungen oder Kabelbündeln werden Kabelbandagen oder Beschichtungen aufgetragen, die im Brandfall aufschäumen (intumeszierend) und das Feuer entlang der Leitung stoppen.

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Kombischott

Kabel und Rohre gemeinsam

Teilen sich Kabel und Rohre dieselbe Öffnung, kommt ein Kombischott zum Einsatz, das mehrere Medien im selben geprüften Aufbau abschottet. Für Rohre gilt die eigene Rohrabschottung.

Weichschott vs. Kissen

Das Weichschott ist die am weitesten verbreitete Bauart für Kabel. Wo eine Öffnung dauerhaft für Erweiterungen zugänglich bleiben soll, sind Brandschutzkissen oft die praktischere Wahl. Ein Systemvergleich findet sich im Ratgeber Weichschott oder Hartschott.

03 · Ausführung

Belegungsgrad, Traversen und Restöffnungen

Ein zentraler Punkt jeder Kabelabschottung ist der Belegungsgrad – also wie viel des Öffnungsquerschnitts von Kabeln eingenommen wird. Der Verwendbarkeitsnachweis eines Systems gibt vor, bis zu welchem Belegungsgrad und mit welchen Abständen die Abschottung geprüft und damit zulässig ist. Wird dieser Wert überschritten, verliert die Abschottung ihre Wirksamkeit.

  • Kabeltrassen und Traversen werden im Schott berücksichtigt, weil sie Wärme leiten und den Aufbau beeinflussen
  • Abstände zwischen Kabeln und Bündeln müssen den Vorgaben des Prüfzeugnisses entsprechen
  • Restöffnungen rund um Kabel und Trassen sind vollständig zu verschließen – sie sind eine häufige Mängelquelle
  • Die Beschichtung wirkt intumeszierend: Sie schäumt im Brandfall auf und verschließt entstehende Spalten

Gerade in Bestandsgebäuden werden Kabel oft nachträglich durch bestehende Schotts gezogen, ohne den zulässigen Belegungsgrad zu prüfen. Deshalb gehört zu jeder fachgerechten Ausführung eine Bewertung der konkreten Trassensituation – nicht nur das Verschließen der sichtbaren Öffnung. Eine kleine, einzelne Kabeldurchführung in einer Wand ist dabei völlig anders zu bewerten als eine stark belegte Kabeltrasse durch eine Geschossdecke.

Auch die Zugänglichkeit spielt eine Rolle: In beengten Schächten oder hinter vorhandener Technik lässt sich ein Weichschott nicht immer sauber ausführen. Hier zeigt sich der Wert einer sorgfältigen Objektprüfung vor der Montage – sie legt fest, welches System zur Öffnung, zum Bauteil und zur vorhandenen Belegung passt und wie spätere Nachbelegungen berücksichtigt werden.

04 · Klassifizierung

Feuerwiderstand: Kabelabschottung nach DIN 4102 & EN 13501

Kabelabschottungen werden nach ihrer Feuerwiderstandsdauer klassifiziert. National erfolgt die Einstufung als S-Klasse (S30 bis S120 nach DIN 4102-9), europäisch als EI-Klasse (z. B. EI 90 nach EN 13501-2). Die Zahl steht jeweils für die Dauer in Minuten, die die Abschottung Feuer und Hitze standhält.

  • S30 / EI 30 – 30 Minuten Feuerwiderstand
  • S60 / EI 60 – 60 Minuten
  • S90 / EI 90 – 90 Minuten, im Gebäudebestand die häufigste Anforderung
  • S120 / EI 120 – 120 Minuten, für erhöhte Anforderungen

In der Praxis ist das S90-Kabelschott die geläufigste Ausführung, da viele Brandwände und Geschossdecken auf 90 Minuten Feuerwiderstand ausgelegt sind. Entscheidend ist, dass die Klasse des Schotts zur Anforderung des durchdrungenen Bauteils passt – ein Schott kann den Feuerwiderstand der Wand oder Decke nicht überschreiten, aber es darf ihn auch nicht unterschreiten. Die Bezeichnung „S“ steht dabei für Kabelabschottungen, das europäische „EI“ für die Kriterien Raumabschluss (E) und Wärmedämmung (I) über die angegebene Zeit.

Faustregel: Die Feuerwiderstandsklasse der Kabelabschottung muss mindestens der Anforderung des durchdrungenen Bauteils entsprechen – üblich sind S90 / EI 90 nach DIN 4102-9 bzw. EN 13501-2.
05 · Nachweis

Verwendbarkeitsnachweis: abP, ETA und ZiE

Jede Kabelabschottung benötigt einen gültigen Verwendbarkeitsnachweis. Zulässig sind nur geprüfte Systeme – Eigenkonstruktionen ohne Nachweis sind unwirksam, auch wenn sie „dicht“ aussehen. Der Nachweis muss zur konkreten Einbausituation passen: Wand- oder Deckenart, Öffnungsgröße, Belegung und Feuerwiderstandsklasse.

  • abP – allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (nationaler Nachweis)
  • ETA + CE – Europäische Technische Bewertung mit CE-Kennzeichnung
  • ZiE – Zustimmung im Einzelfall, wenn kein passender Standardnachweis vorliegt
Nachweis muss zur Situation passen

Ein Nachweis gilt nur für die geprüfte Einbausituation. Wird ein System außerhalb seines Anwendungsbereichs eingebaut – falsche Wandart, überschrittener Belegungsgrad, unzulässige Kombination – ist die Abschottung trotz vorhandenem Prüfzeugnis unwirksam.

06 · Nachbelegung

Kabelabschottung nachbelegen, kennzeichnen und dokumentieren

Ein wesentlicher Vorteil des Weichschotts ist die Nachbelegbarkeit: Einzelne Kabel lassen sich später ergänzen, ohne die gesamte Abschottung zu zerstören. Das ist wichtig, weil sich die Belegung von Kabeltrassen über die Lebensdauer eines Gebäudes häufig ändert – etwa durch neue Netzwerktechnik oder Mieterausbauten. Voraussetzung ist, dass der zulässige Belegungsgrad eingehalten und die Öffnung anschließend wieder fachgerecht verschlossen wird.

Zu jeder fertigen Abschottung gehören Kennzeichnung und Dokumentation:

  • Kennzeichnungsschild direkt am Bauteil: Hersteller, Systembezeichnung, Feuerwiderstandsklasse, Errichter und Datum
  • Dokumentation für die Objektakte, damit Verwaltungen und Betreiber die Ausführung bei Begehungen und Nachbelegungen zuordnen können
  • Nachvollziehbare Zuordnung von Schott, Raum und Bauteil – die Grundlage jeder späteren Prüfung
Kennzeichnungsschild nicht vergessen

Ohne Kennzeichnungsschild ist später oft unklar, welches System an welcher Stelle verbaut wurde und wie viel noch nachbelegt werden darf. Das Schild ist die Basis für jede spätere Prüfung, Wartung und Belegungsänderung.

07 · Fehler vermeiden

Typische Ausführungsfehler bei Kabelabschottungen

Viele Mängel entstehen nicht beim Neubau, sondern durch spätere Arbeiten – wenn Kabel nachgezogen oder alte Schotts geöffnet werden, ohne sie fachgerecht wiederherzustellen. Die häufigsten Fehler:

  • Offene Restöffnungen rund um Kabel oder Trassen nach nachträglicher Verlegung
  • Ungeeignete Materialien (z. B. Bauschaum) statt zugelassener Abschottungssysteme
  • Überschrittener Belegungsgrad – zu viele Kabel für das geprüfte System
  • Fehlendes Kennzeichnungsschild und keine Dokumentation für die Objektakte
  • Falscher Verwendbarkeitsnachweis für die vorhandene Wand- oder Deckenart
  • Beschädigte alte Schotts, die bei Umbauten geöffnet und nicht wiederverschlossen wurden

Solche Mängel fallen im laufenden Betrieb kaum auf – bis eine Brandschutzbegehung oder Mängelprüfung genau diese Stelle bemängelt. Eine Übersicht aller Systeme bietet die Seite Brandschutz-Schottungen.

08 · Entscheidungshilfe

Welches Kabelschott ist das richtige?

Vier Fragen führen in der Praxis schnell zur passenden Bauart:

Was wird geführt?

Viele Kabel/Trassen → Weichschott. Kabel und Rohre gemeinsam → Kombischott.

Ändert sich die Belegung?

Häufig → Weichschott oder Brandschutzkissen (revisionierbar, nachbelegbar).

Welche Feuerwiderstandsklasse?

Anforderung des Bauteils prüfen – meist S90 / EI 90 nach DIN 4102-9.

Nachweis vorhanden?

System mit passendem abP/ETA für Wand-, Decken- und Belegungssituation wählen.

Im Zweifel lohnt die fachliche Bewertung vor Ort: Der Fachbetrieb prüft die betroffenen Durchführungen, wählt das nachweislich geprüfte System für die konkrete Situation und sorgt für normgerechte Montage, Kennzeichnung und Dokumentation.

Kabelabschottung fachgerecht ausführen lassen

Brandschutz Service Berlin prüft, montiert, kennzeichnet und dokumentiert Kabelabschottungen für Objekte in Berlin und Brandenburg – mit gültigem Verwendbarkeitsnachweis und vollständiger Objektdokumentation.

FAQ

Häufige Fragen zur Kabelabschottung

Was ist eine Kabelabschottung?

Eine Kabelabschottung (auch Kabelschott) verschließt Öffnungen in feuerwiderstandsfähigen Wänden oder Decken, durch die Kabel oder Kabeltrassen geführt werden. Sie verhindert, dass sich Feuer und Rauch über die Bauteilöffnung in angrenzende Brandabschnitte ausbreiten, und stellt so den Feuerwiderstand des Bauteils wieder her.

Welches Schott eignet sich für Kabel?

Für Kabel und Mischbelegungen ist in der Regel das Weichschott aus beschichteter Mineralwolle erste Wahl, weil es flexibel und nachbelegbar ist. Wo eine Öffnung dauerhaft zugänglich bleiben soll, eignen sich Brandschutzkissen. Einzelne Leitungen können mit einer Kabelbandage geschützt werden.

Wie oft muss eine Kabelabschottung geprüft werden?

Kabelabschottungen sollten regelmäßig im Rahmen der Brandschutzbegehung kontrolliert werden – besonders nach Umbauten, Elektroarbeiten oder Nachbelegungen. Prüfintervalle ergeben sich aus dem Brandschutzkonzept, der Landesbauordnung und den Prüfvorschriften des jeweiligen Objekts. Kennzeichnung und Dokumentation sind die Grundlage jeder Kontrolle.

Was kostet eine Kabelabschottung?

Die Kosten hängen von Anzahl, Größe und Zugänglichkeit der Durchführungen ab, außerdem von Art und Menge der Kabel, vom gewählten System sowie vom Aufwand für Kennzeichnung und Dokumentation. Eine seriöse Einschätzung ist erst nach Prüfung der konkreten Situation möglich – mehr dazu im Ratgeber Schottungen-Kosten.

Braucht eine Kabelabschottung einen Nachweis?

Ja. Zulässig sind nur Systeme mit gültigem abP oder ETA + CE, im Sonderfall mit Zustimmung im Einzelfall (ZiE). Der Nachweis muss zur konkreten Einbausituation passen – Wand- oder Deckenart, Öffnung, Belegung und Feuerwiderstandsklasse. Ob und in welchem Umfang eine Abschottung vorgeschrieben ist, erklärt der Ratgeber Brandschottung-Pflicht & MLAR.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Planung oder Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Verwendbarkeitsnachweise sowie die Landesbauordnung und technischen Regeln (u. a. MLAR, DIN 4102-9, EN 13501-2).

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