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Weichschott oder Hartschott? Brandschott-Systeme im Vergleich

Brandschutz-Ratgeber · Materialien & Bauteile

Weichschott oder Hartschott?

Brandschott-Systeme im Vergleich – welches Abschottungssystem für Kabel, Rohre und Mischbelegungen wann das richtige ist.

Weichschott Hartschott / Mörtelschott bis EI 120 / S120 abP & ETA
Mineralwolle + BeschichtungWeichschott
Brandschutzmörtel / GipsHartschott
nachträglich nachbelegbarVorteil Weichschott
mechanisch belastbarVorteil Hartschott

Sobald Kabel, Rohre oder Lüftungsleitungen eine Wand oder Decke mit Feuerwiderstand durchdringen, entsteht eine potenzielle Schwachstelle, durch die sich Feuer und Rauch ausbreiten können. Brandschottungen verschließen diese Durchführungen wieder brandsicher. Die zwei gängigsten Bauarten sind das Weichschott und das Hartschott.

Welches System sich eignet, hängt von der Belegung, der mechanischen Belastung und der späteren Nachrüstbarkeit ab. Dieser Ratgeber erklärt Aufbau, Unterschiede und Auswahl beider Schottsysteme – verständlich für Planer, Bauherren und Hausverwaltungen.

01 · Grundlagen

Was ist eine Brandschottung?

Eine Brandschottung (auch Abschottung) stellt den Feuerwiderstand eines raumabschließenden Bauteils an genau der Stelle wieder her, an der es von Leitungen durchdrungen wird. Sie verhindert, dass Feuer, Rauch und heiße Brandgase über Kabel- und Rohrtrassen von einem Brandabschnitt in den nächsten gelangen.

Damit ist die Schottung ein zentrales Element des anlagentechnischen und baulichen Brandschutzes: Sie sichert die Funktion von Brandwänden und Geschossdecken auch dort, wo Technik hindurchgeführt wird. Grundsätzlich unterscheidet man nach der Konstruktionsart in Weichschott, Hartschott sowie Sonderbauarten wie Rohrmanschetten und Kombischotts.

Wichtig

Jede Schottung benötigt einen gültigen Verwendbarkeitsnachweis (abP oder ETA). Eigenkonstruktionen ohne Nachweis sind unzulässig – auch dann, wenn sie „dicht“ aussehen.

02 · Weichschott

Weichschott: Aufbau, Materialien und Einsatz

Das Weichschott ist die flexibelste und am weitesten verbreitete Bauart. Die Durchführungsöffnung wird mit beschichteten Mineralwolleplatten (hohe Rohdichte, Schmelzpunkt > 1000 °C) ausgefüllt. Die sichtbaren Flächen sowie die Kabel werden mit einer Brandschutzbeschichtung oder einem Brandschutzkitt versehen.

  • Ideal für Kabel und Mischbelegungen – viele Kabel und kleine Trassen auf engem Raum
  • Nachträglich nachbelegbar – einzelne Kabel lassen sich später ergänzen
  • Geringes Gewicht, auch für nachträglichen Einbau gut geeignet
  • Im Brandfall schäumt die Beschichtung auf (intumeszierend) und verschließt Restöffnungen

Weichschotts werden bevorzugt in Kabelabschottungen eingesetzt, weil sich die Belegung über die Nutzungsdauer eines Gebäudes häufig ändert.

03 · Hartschott

Hartschott und Mörtelschott: Aufbau, Materialien und Einsatz

Beim Hartschott wird die Öffnung mit einem mineralischen Brandschutzmörtel oder Spezialgips vergossen. Das Ergebnis ist eine massive, mechanisch hoch belastbare Abschottung.

  • Hohe mechanische Belastbarkeit – begehbar, befahrbar, tragend einsetzbar
  • Gut für Bodendurchführungen und stark beanspruchte Bereiche
  • Robust gegen Feuchtigkeit und mechanische Einwirkung
  • Sehr dichter, dauerhafter Verschluss bei überwiegend gleichbleibender Belegung
Zu bedenken

Ein Hartschott ist weniger flexibel: Nachträgliche Belegungsänderungen erfordern Aufstemmen und fachgerechtes Wiederverschließen. Wo sich Trassen häufig ändern, ist ein Weichschott meist wirtschaftlicher.

04 · Direktvergleich

Weichschott vs. Hartschott – die Unterschiede

Beide Systeme erreichen hohe Feuerwiderstandsklassen – sie unterscheiden sich vor allem in Handhabung, Belastbarkeit und Flexibilität:

🧱
Weichschott

Flexibel & nachrüstbar

Mineralwolle + Beschichtung. Beste Wahl bei Kabeln, Mischbelegungen und häufigen Belegungsänderungen. Geringes Gewicht, einfache Nachbelegung – aber nicht mechanisch belastbar.

🪨
Hartschott

Massiv & belastbar

Brandschutzmörtel/Gips. Beste Wahl für Bodendurchführungen und beanspruchte Bereiche. Robust und feuchtebeständig – aber Änderungen sind aufwendig.

Faustregel: Weichschott bei wechselnder Belegung (Kabel, EDV, nachträgliche Erweiterungen), Hartschott bei dauerhaft fester Belegung und mechanischer Beanspruchung (z. B. begehbare Bodenschotts).
05 · Sonderfälle

Rohr- und Kabelabschottung: eigene Systeme

Neben Weich- und Hartschott gibt es Bauarten für einzelne Leitungen. Entscheidend ist, ob das Rohr brennbar oder nicht brennbar ist:

  • Brennbare Rohre (z. B. PVC, PE): Brandschutzmanschetten mit Dämmschichtbildner, die das schmelzende Rohr im Brandfall abquetschen
  • Nicht brennbare Rohre (Stahl, Guss, Kupfer): Abschottung über Dämmung und geeignete Schottmasse

Mehr dazu in unseren Beiträgen zur Rohrabschottung und Kabelabschottung. In der Praxis werden die Systeme häufig zu einem Kombischott kombiniert, wenn Kabel und Rohre dieselbe Öffnung teilen.

06 · Klassifizierung

Feuerwiderstand, Verwendbarkeitsnachweis und Kennzeichnung

Schottungen werden nach ihrer Feuerwiderstandsdauer klassifiziert – national als S-Klasse (S30 bis S120 nach DIN 4102-9), europäisch als EI-Klasse (z. B. EI 90 nach EN 13501-2). Die Zahl steht für die Dauer in Minuten, die die Abschottung Feuer und Hitze standhält.

  • abP – allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis, oder
  • ETA + CE – Europäische Technische Bewertung mit CE-Kennzeichnung
  • im Sonderfall eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE)
Revisionsschild nicht vergessen

Jede fertige Schottung muss mit einem dauerhaften Kennzeichnungsschild versehen werden: Hersteller, Systembezeichnung, Feuerwiderstandsklasse, Errichter und Datum. Es ist die Grundlage für jede spätere Prüfung und Belegungsänderung.

07 · Entscheidungshilfe

Welches Schottsystem wann?

Vier Fragen führen in der Praxis schnell zur richtigen Bauart:

Was wird geführt?

Viele Kabel/Mischbelegung → Weichschott. Einzelne Rohre → Manschette/Rohrschott.

Ändert sich die Belegung?

Häufig → Weichschott (nachbelegbar). Dauerhaft fest → Hartschott.

Mechanische Last?

Begehbar/befahrbar oder Boden → Hartschott. Wanddurchführung → Weichschott.

Nachweis vorhanden?

System mit passendem abP/ETA für die konkrete Einbausituation wählen.

Im Zweifel lohnt die fachliche Bewertung vor Ort: Der Fachbetrieb wählt das nachweislich geprüfte System für die konkrete Wand-, Decken- und Belegungssituation – inklusive normgerechter Montage und Dokumentation.

Schottungen fachgerecht ausführen lassen

Brandschutz Service Berlin plant und montiert Weich-, Hart- und Kombischotts für Objekte in Berlin und Brandenburg – mit gültigem Verwendbarkeitsnachweis und vollständiger Dokumentation.

FAQ

Häufige Fragen zu Weich- und Hartschott

Was ist der Unterschied zwischen Weichschott und Hartschott?

Ein Weichschott besteht aus beschichteten Mineralwolleplatten und ist flexibel sowie nachträglich nachbelegbar – ideal für Kabel. Ein Hartschott wird mit Brandschutzmörtel vergossen, ist mechanisch belastbar und besonders für Bodendurchführungen und feste Belegungen geeignet.

Welches Schott eignet sich für Kabel?

Für Kabel und Mischbelegungen ist in der Regel das Weichschott erste Wahl, weil sich die Belegung später ohne Aufstemmen ergänzen lässt. Einzelne brennbare Rohre erhalten dagegen eine Brandschutzmanschette.

Welche Feuerwiderstandsklassen gibt es bei Schottungen?

National werden Schottungen in S30 bis S120 (DIN 4102-9) klassifiziert, europäisch in EI-Klassen wie EI 90. Die Zahl gibt die Feuerwiderstandsdauer in Minuten an; üblich im Gebäudebestand ist S90 / EI 90.

Braucht jede Schottung einen Verwendbarkeitsnachweis?

Ja. Zulässig sind nur Systeme mit abP oder ETA + CE, im Sonderfall mit Zustimmung im Einzelfall. Der Nachweis muss zur konkreten Einbausituation (Wand-/Deckenart, Belegung) passen. Ohne gültigen Nachweis ist die Abschottung unwirksam.

Kann man ein Hartschott nachträglich erweitern?

Nur eingeschränkt. Für eine neue Leitung muss das Hartschott fachgerecht geöffnet und anschließend nach Vorgabe des Systemherstellers wieder verschlossen werden. Wo häufig nachbelegt wird, ist ein Weichschott die wirtschaftlichere Lösung.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Planung oder Rechtsberatung. Maßgeblich sind die jeweils gültigen Verwendbarkeitsnachweise sowie die Landesbauordnung und technischen Regeln.

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